25.07.2020

Südkurier: Schulleiterin verabschiedet

Festakt für Mechthild Rövekamp-Zurhove

Waldshut-Tiengen: Mit einem Festakt in der Stadthalle Waldshut ist Mechthild Rövekamp-Zurhove als Schulleiterin des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut verabschiedet worden. Nach einem beruflichen Wechsel ihres Mannes kehrt die Familie nach zehn Jahren am Hochrhein in das heimatliche Münsterland zurück. Bei ihrer Verabschiedung dankte ihr OB Philipp Frank für die Leidenschaft, mit der sie sich für die Entwicklung des Gymnasiums eingesetzt habe.

Die Schülersprecher Jennifer Dell, Noah Nolte und Felix Stauber (v.l.) überreichen Mechthild Rövekamp-Zurhove zum Abschied ein Bild von ihr und Markus Funck, das aus vielen kleinen Fotos von Schülern und Lehrern zusammengesetzt ist.

Kurz vor ihrer Rückkehr in das heimatliche Münsterland hatte Mechthild Rövekamp-Zurhove noch ein wenig Alemannisch gelernt: „Dieses Jahr ist alles anderscht“, sagte die scheidende Schulleiterin des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut beim Festakt zu ihrer Verabschiedung, der aufgrund der Corona-Auflagen nicht wie üblich im Musiksaal der Schule, sondern in der Stadthalle Waldshut stattfand. Auch ohne Händeschütteln und Umarmungen und mit Abstand fiel die Feier für die beliebte Pädagogin herzlich und kollegial aus.
Mechthild Rövekamp-Zurhove unterrichtete in den vergangenen zehn Jahren am Hochrhein-Gymnasium. Seit vier Jahren hatte sie dessen Leitung inne. Im neuen Schuljahr wird der bisherige Schulleiter Markus Funck die Schule kommissarisch führen. Als „Top-Vorzeige-Führungskraft“ bezeichnete Oberbürgermeister Philipp Frank die Nachfolgerin von Lothar Senser, der neben Lehrern, Schülern und Vertretern der Stadtverwaltung an der Veranstaltung teilnahm. „Die Chemie zwischen uns hat gestimmt, obwohl wir beide Geisteswissenschaftler sind“, sagte der OB an die Deutsch- und Religionslehrerin schmunzelnd gewandt.
Frank dankte ihr für die Energie und Leidenschaft, mit der sie sich für die Entwicklung des Gymnasiums eingesetzt habe. In diese Zeit falle unter anderem die Kernsanierung der naturwissenschaftlichen Räume und die voranschreitende Digitalisierung der Schule. Letztere hat es laut Markus Funck ermöglicht, innerhalb kurzer Zeit das sogenannte Home-Schooling umzusetzen, als die Schule wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden musste.
Unvergessen sei auch die Malaktion noch vor der Krise, bei der Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam 45 Unterrichtsräume und Flure neu gestrichen haben, um die Schule zu verschönern, erinnerte Funck, der auch ein Grußwort von Matthias Scholliers vom zuständigen Referat am Regierungspräsidium Freiburg vorlas, in dem dieser unter anderem schreibt: „Aus unserer Sicht kommt der Abschied viel zu früh.“
„Ihre Arbeit ist geprägt von der Liebe zu den Kindern“, sagte die Elternbeiratsvorsitzende Gaby Fügen über die scheidende Schulleiterin, die „bereits jetzt vermisst“ werde. Aber, so Fügen, „andere werden nun die Früchte Ihrer Saat ernten“. Jennifer Beck, Vorsitzende des Personalrats des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut, lobte die „unkonventionellen Ideen“, mit denen Mechthild Rövekamp-Zurhove die Schule bereichert habe. „Für eine Handvoll Schüler der fünften Klasse hast du eine Hausaufgaben-Unterstützung organisiert“, nannte sie ein Beispiel.
Die Schülersprecher Jennifer Dell, Noah Nolte und Felix Stauber überreichten ihrer Schulleiterin zum Abschied ein Bild von ihr und Markus Funck, das sich aus vielen kleinen Fotos von Schülern und Lehrern zusammensetzt. Denn, so die Jugendlichen, „wir sind ein starkes Team“. Weil Mechthild Rövekamp-Zurhove ein Faible für Poesie hat, trugen Schüler der Klasse 5c verschiedene Gedichte vor, darunter ein selbstverfasstes und „Die Made“ von Heinz Erhardt. Der Festakt wurde musikalisch umrahmt vom Streicherensemble des Schulorchesters unter der Leitung von Konstanze Wadle.

Text und Bild: Juliane Schlichter, erschienen im SÜDKURIER am 25.07.2020
Oberbürgermeister Philipp Frank überreichte Mechthild Rövekamp-Zurhove ein Abschiedsgeschenk. | Bild: Juliane Schlichter
Markus Funck verabschiedet Mechthild Rövekamp-Zurhove mit ihrem Mann Franz Zurhove und dem gemeinsamen Sohn Benedikt (von links). | Bild: Juliane Schlichter

Die Schulleiter der vergangenen Jahrzehnte am HGWT

Mechthild Rövekamp-Zurhove (2016-2020)
Die Münsterländerin kam 2010 als Lehrerin ans Hochrhein-Gymnasium nach Waldshut, bevor sie 2016 als erste Frau die Leitung der Schule übernahm. Zum Schuljahresende verlässt Mechthild Rövekamp-Zurhove das HGWT und wechselt in gleicher Position an ein Gymnasium nach Nordrhein-Westfalen. Das Waldshuter Gymnasium wird ab dem neuen Schuljahr kommissarisch von Markus Funck geleitet, dem bisherigen Stellvertreter von Rövekamp-Zurhove.
 
Lothar Senser (2002-2016)
14 Jahre lang – von 2002 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2016 – leitete Lothar Senser das Hochrhein-Gymnasium Waldshut, das er als Schüler von 1965 bis 1973 selbst besucht hatte. Nach dem Mathematik- und Sportstudium in Freiburg und seiner Referendarzeit kehrte er 1982 als Lehrer nach Waldshut zurück. Von 1989 bis 1994 lebte er mit seiner Familie in Buenos Aires in Argentinien. Dort leitete er die Informatikabteilung an der technisch orientierten deutsch-argentinischen Hölters-Schule.
 
Ralf Bohn (1996-2002)
Während der Jahrtausendwende leitete Ralf Bohn aus dem Oberschulamt kommend sechs Jahre lang das Waldshuter Gymnasium. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Einrichtung der Hochrhein-Seminare für Mathematik und Naturwissenschaften beteiligt. Ebenso wurden während seiner Zeit als Schulleiter das Musikprofil und der achtjährige Gymnasialzug eingerichtet. 2002 wechselte Ralf Bohn nach Weil am Rhein, wo er bis zu seinem vorzeitigen Wechsel in den Ruhestand im Jahr 2005 das Kant-Gymnasium leitete.
 
Dieter Flamm (1986-1996)
Von 1986 bis 1996 war Dieter Flamm an der Spitze des Hochrhein-Gymnasiums tätig. Kreativ und innovativ begleitete er in dieser Zeit tausende Schüler als prägende Persönlichkeit und entwarf das auch heute noch aktuelle Logo des Gymnasiums, das ein stilisiertes H mit drei Wellen zeigt. Nach seiner Pensionierung widmete er sich seinen vielseitigen Interessen und seiner Familie. Seine Jugend in Freiburg zu Kriegsjahren beschrieb er 2002 in einem Buch mit dem Titel „Helga und der Zahn der Zeit“, das veröffentlicht wurde. Im Jahr 2011 starb Dieter Flamm im Alter von 77 Jahren.
 
Manfred Kirchgässner (1974-1986)
Zwölf Jahre lang leitete der Waldshuter Manfred Kirchgässner das Hochrhein-Gymnasium, an dem er 1941 selbst das Abitur abgelegt hatte. Die Verbindung seiner Studienfächer Französisch und Sport bestimmte nicht nur das Berufsleben, sondern das gesamte Lebenswerk des Pädagogen. Als Studienreferent in Freiburg bewarb er sich um eine Assistentenstelle in Frankreich, die er am Lycée Augustin Thierry in Blois erhielt. Allmählich entwickelte sich die tiefe deutsch-französische Freundschaft, die „Monsieur Kirsch“, wie ihn die Menschen in Blois nannten, auf die Ebene der Städtepartnerschaft hob. Der Vater der Städtepartnerschaft mit dem französischen Blois starb 1995 im Alter von 73 Jahren.
 

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