13.03.2020

Südkurier: Biologie-Fachräume modernisiert

Kreidezeit gehört am HGWT der Vergangenheit an

Waldshut-Tiengen: Das Hochrhein-Gymnasium Waldshut hat seine neuen Biologie-Fachräume im Beisein von vielen Gästen eröffnet.

Digitaler Bildschirm statt Schiefertafel: Heino Schoger, Abteilungsleiter am Hochrhein-Gymnasium Waldshut, vor einer Schulklasse in einem der sanierten Biologie-Fachräume. | Bild: Hochrhein-Gymnasium Waldshut

„Kann man auch mit dem Finger darauf zeichnen?“, fragt Hans Jürgen Bannasch und zeigt auf die Tafel. „Klar, probieren Sie es aus“, antwortet Heino Schoger, Fachbereichsleiter Biologie am Hochrhein-Gymnasium Waldshut (HGWT). Einen Augenblick später hat Bannasch einen Fuchs auf den digitalen Bildschirm gemalt, der ähnlich einem überdimensionalen Computerbildschirm an der Stirnseite des Unterrichtsraums hängt. „Es macht unwahrscheinlich Spaß, wenn man sieht, wie man mit diesen Materialien Biologie betreiben kann“, sagt der frühere Lehrer, der zwischen 1967 und 1999 am HGWT unter anderem das Fach Biologie unterrichtet hat. „Damals hat man noch Kreidebiologie gemacht“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.
Hans Jürgen Bannasch ist einer der zahlreichen Gäste, die zur Eröffnung der kernsanierten Biologie-Fachräume des Gymnasiums gekommen sind. Schulleiterin Mechthild Rövekamp-Zurhove begrüßt neben Schülern, Eltern und Lehrern den früheren Schulleiter Lothar Senser, Vertreter der Stadtverwaltung und den für die Arbeiten verantwortlichen Architekten Gerold Müller aus Waldshut-Tiengen. „In einer wunderbaren Mischung aus Kreativität, Ungeduld und Beharrlichkeit haben Sie wesentlich Anteil daran, was hier möglich geworden ist“, dankt Rövekamp-Zurhove dem Architekten.
Gerold Müller spricht von einer Herausforderung, dass die Umbauarbeiten, die im vergangenen Sommer begonnen hatten, zum Teil während des laufenden Betriebs durchgeführt wurden. „In diesem Haus herrscht ein guter Geist. Das spürt man“, lobt der Architekt die Zusammenarbeit mit der Schule, insbesondere mit Hausmeister Thomas Scheuch.
Positiv äußern sich sowohl Gerold Müller als auch Oberbürgermeister Philipp Frank über die Arbeit von Marina Schreyer vom städtischen Hochbauamt, bei der die Fäden für die Sanierung zusammen liefen.
Kernsaniert wurden der Biologie-Trakt im ersten Obergeschoss des Gymnasiums mit zwei Fachräumen, einem kombinierten Fachraum Biologie und Naturwissenschaften sowie einem Vorbereitungs- und Sammlungsraum. „Hier kann modernster naturwissenschaftlicher Unterricht gestaltet werden“, freut sich die Schulleiterin.
Ihr Stellvertreter Markus Funck erzählt, dass es nicht möglich war, den Boden des früheren Biologie-Hörsaals wie ursprünglich vorgesehen zu begradigen, da die schräge Decke an Stahlseilen hängt.
Funck nennt es einen „Geniestreich“, wie das Problem mit Hilfe eines Holzeinbaus gelöst werden konnte: Der Fußboden weist zwar noch vier kleine Stufen auf, ist ansonsten aber begradigt. Dadurch können die neuen Tische im Raum bei Bedarf weggeräumt oder zur Seite geschoben werden.
„Früher ist ständig etwas heruntergefallen“, erinnert Biologielehrerin Sarah Litschka an den ehemaligen Hörsaal mit hölzernen Klappstühlen und Tischen mit einer sehr geringen Tiefe. „Jetzt können wir hier auch mikroskopieren“, freut sich Biologielehrerin Jennifer Gaes. Bisher gab es in diesem Raum keinen Stromanschluss an den Schülerplätzen.
Und wie finden die Schüler die neuen Biologieräume? „Früher waren sie traurig und trist. Jetzt ist es wie in einem professionellen Labor“, sagt die 17-jährige Abiturientin Sophie Kaltenbacher. „Die Technik ist kein Vergleich zu vorher“, ergänzt der gleichaltrige Felix Stauber. So können beispielsweise die Lehrer die ausgefüllten Arbeitsblätter der Schüler mit dem Smartphone abfotografieren, und Sekunden später ist das Ergebnis für alle im Raum auf der digitalen Tafel zu sehen.

Text: Juliane Schlichter, erschienen im SÜDKURIER am 13.03.2020

Die Schule
Das Hochrhein-Gymnasium Waldshut (HGWT) wurde 1816 gegründet und befand sich früher im Gebäude der heutigen Heinrich-Hansjakob-Schule (damals noch als Höhere Bürgerschule) und später im Kornhaus. 1956 begann der Bau des heutigen Gymnasiums an der Waldtorstraße. Laut Architekt Gerold Müller, verantwortlich für die Sanierung der Biologie-Fachräume, handelt es sich um das erste Stahlskelettgebäude in der Region. Das Hochrhein-Gymnasium gehört zu den wenigen Gymnasien in Baden-Württemberg, die ein Musik-Profil anbieten. Außerdem gibt es die Profile Naturwissenschaft und Technik (NWT) sowie Spanisch. Die Schule hat rund 1000 Schüler und 80 Lehrer. Schulleiterin ist Mechthild Rövekamp-Zurhove. Seit Sommer 2019 wurden die Biologie-Fachräume des HGWT saniert. Die Arbeiten sind Teil der umfassenden Maßnahmen an Waldshuts einzigem städtischen Gymnasium, die sich über die nächsten Jahre erstrecken und insgesamt 3,38 Millionen Euro kosten. Die Fördermittel betragen 1,88 Millionen Euro. Aufgrund des personellen Engpasses im Hochbauamt kann die Sanierung der Chemie-Fachräume nicht wie vorgesehen in diesem Jahr ausgeführt werden. „Wir müssen erst die personelle Situation abwarten. Wir haben die Fördermittel und machen‘s auch“, betont Marina Schreyer, Mitarbeiterin des Hochbauamts. In diesem Sommer sollen die Klassenräume im dritten Obergeschoss saniert werden.

Hans Jürgen Bannasch, der von 1967 bis 1999 Biologielehrer am HGWT war, zeichnet mit dem Finger einen Fuchs auf die digitale Tafel. | Bild: Juliane Schlichter
Freuen sich über die neuen Biologieräume (v.l.): Markus Funck (stellv. SL), Marina Schreyer (Hochbauamt), Mechthild Rövekamp-Zurhove (Schulleiterin), Philipp Frank (OB), Heino Schoger (Abteilungsleiter) und Gerold Müller (Architekt). | Bild: J. Schlichter
Biologielehrerin Anja Blattmann hilft Gerold Müller (links) und OB Philipp Frank beim Experimentieren. | Bild: Juliane Schlichter
Statt Klappstühlen und festen Tischen gibt es im ehemaligen Biologie-Hörsaal nun bewegliche Tische und Stühle. | Bild: Hochrhein-Gymnasium Waldshut
Stift statt Kreide: Die Biologielehrerinnen Jennifer Gaes, Anja Blattmann und Sarah Litschka (v.l.) zeigen, wie die digitale Tafel beschriftet werden kann. | Bild: Juliane Schlichter
Die 17-jährigen Abiturienten Felix Stauber und Sophie Kaltenbacher fühlen sich in den neuen Biologie-Fachräumen wohl. | Bild: Juliane Schlichter

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