11.11.2019

Südkurier: Eine literarische Sternstunde

Sprecher Frank Arnold las aus Goethes „Faust I“

Waldshut-Tiengen: Der bekannte Schauspieler, Regisseur und Sprecher Frank Arnold las vor rund 100 Schülern, Lehrern und Gästen im Hochrhein-Gymnasium Waldshut Szenen aus Goethes „Faust I“, diesmal mit Schwerpunkt auf der Gretchentragödie.

Frank Arnold las im HGWT Szenen aus Goethes „Faust I“ – hier vor dem eigens entworfenen Plakat des Kunsterziehers Matthias Sochor. | Bild: Rosemarie Tillessen

Bereits zum zweiten Mal konnte Mechthild Rövekamp-Zurkove, Schulleiterin des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut, den bekannten Schauspieler, Regisseur und Sprecher Frank Arnold in ihren Räumen begrüßen. Er las vor rund 100 Schülern, Lehrern und Gästen wieder Szenen aus Goethes „Faust I“, diesmal mit Schwerpunkt auf der Gretchentragödie. 
Die Veranstaltung kam durch Unterstützung der Dr.-Inge-Freytag-Stiftung und der Volksbank Hochrhein zustande. Die sicherlich noch vielen bekannte Stifterin war diesem Gymnasium eng verbunden und hier zur Schule gegangen.
Es ist die bekannte Geschichte: Faust begegnet dem mädchenhaften Gretchen und verliebt sich in sie. Er lernt sie mit Mephistos Hilfe näher kennen, dringt sogar in ihr Mädchenzimmer und versucht, sie mit Schmuck zu verführen. Gretchen entbrennt in Liebe. Und Mephisto macht sich die Nachbarin Marthe gefügig, die den Liebenden zum Schäferstündchen verhilft. Doch die Nachbarn lästern, und Gretchens eifersüchtiger Bruder Valentin wird im Kampf von Faust getötet. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.
Diesen schweren Text von Johann Wolfgang von Goethe liest Frank Arnold wunderbar deutlich vor. Aber er bietet an diesem Abend mehr als eine Lesung. Er moduliert die Stimme: hier die schmeichelnde, lockende oder herausfordernde Stimme Mephistos, dort die mal schwärmerisch verführerische, dann wieder eindringlich beschwörende von Faust oder die ganz junge, sensible, zögerliche und schließlich verzweifelte Stimme von Gretchen. Und zuletzt die dramatische Steigerung, wenn Faust das wahnsinnig gewordene Gretchen aus dem Kerker befreien will.
Arnold wird zum stimmlichen Schauspieler und der Abend gerät zu einer kleinen literarischen Sternstunde. Auch die zahlreichen Elft- und Zwölftklässler des Leistungskurses Deutsch ließen sich 70 Minuten sichtlich fesseln und spendeten lebhaften Beifall.
Text: Rosemarie Tillessen, erschienen im SÜDKURIER am 11.11.2019

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