12.04.2019

Südkurier: Diskussion mit Klimaforscherin

Der Klimawandel trifft uns

Waldshut-Tiengen: Klimaforscherin Anke Duguay-Tetzlaff von Meteo Schweiz spricht im Hochrhein-Gymnasium Waldshut mit Schülern: Auch die Hochrhein-Region wird die Auswirkungen des Klimawandels spüren.
Die Klimaforscherin Anke Duguay-Tetzlaff sprach vor Schülern des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut. | Bild: Matthias Sochor

Waldshut-Tiengen – Im Zusammenhang mit den regionalen Aktionen der Klimaschutz-Bewegung "Fridays for Future", an denen auch zahlreiche Schüler des Hochrhein-Gymnasiums beteiligt waren, gab die Schulleitung des Waldshuter Gymnasiums einen Elternbrief zum Thema "Teilnahme an Demonstrationen während der Unterrichtszeit" heraus. Kurz darauf, erreichte die Schule ein Angebot einer Mutter mit einer direkten und konstruktiven Reaktion: Anke Duguay-Tetzlaff stellte sich an der Schule als Klimaforscherin und Mitarbeiterin bei Meteo Schweiz, dem Schweizer Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie vor. Sie teilte mit, dass ihr das umweltpolitische Engagement der jungen Generation sehr am Herzen liege.
Sie könne sich deshalb vorstellen, die von der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg aufgeworfenen Fragen in einer Diskussion mit Schülern aufzunehmen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu untermauern. Die Ethik-Lehrerin Marvie Knechtle sowie die Lehrkräfte des Religionsunterrichts der Klassenstufe zehn organisierten daraufhin eine Gesprächsrunde im Musiksaal der Schule anstelle des sonst üblichen Unterrichts. Die Zehntklässler bereiteten sich ebenso intensiv vor und reichten vorab Fragen zum Klimawandel und Klimaschutz sowie zu etwaigen Beeinflussungsmöglichkeiten dieser Prozesse ein. Die Klimaforscherin Anke Duguay-Tetzlaff eröffnete die Veranstaltung mit dem Blick auf zwei von Meteo Schweiz entwickelte Klimaszenarien über erwartete Klimaveränderungen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts.
Diese Betrachtungen seien auch für die Region Waldshut und entlang des Hochrheins relevant, da hier eher das Schweizer Wetter wirksam sei und weniger die klimatischen Bedingungen des Hochschwarzwalds. Bereits jetzt absehbare Folgen fasste sie schlagwortartig so zusammen: trockenere Sommer, heftige Niederschläge, mehr Hitzetage, schneearme Winter. Doch differenziert hier die Studie des Schweizer Wetterdienstes. Einerseits wurden mäßige Veränderungen prognostiziert für den Fall der umfassenden Senkung des weltweiten Treibhausgasausstoßes.
So ließen sich bis Mitte des 21.Jahrhunderts rund die Hälfte, bis Ende des Jahrhunderts zwei Drittel der möglichen Klimaveränderungen in unserer Region vermeiden. Die Sommer gestalteten sich dann "nur" etwa 1,5 Grad Celsius wärmer als heute. Andererseits wäre ohne wirksame Klimaschutzmaßnahmen eine Temperaturerhöhung im Sommer von bis zu 4,5 Grad Celsius zu erwarten, im Winter ein Anstieg um drei bis fünf Grad Celsius.
Im Anschluss an die Präsentation folgte eine Diskussion mit den Schülern. Hier wurden Ausmaß und Komplexität des Problems noch deutlicher, und nicht jede Schülerfrage fand eine befriedigende Antwort, zum Beispiel zum Umgang mit Dieselfahrzeugen. Strittig blieb, ob zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes eine erhebliche Drosselung des Wirtschaftswachstums hingenommen werden müsse und Arbeitslosigkeit als Folge ein hinzunehmendes Opfer sei.
Auch der Vorschlag, man solle zurückfinden zur Lebensform und zum Konsumverhalten der 1950er Jahre, also zurück zur Lebenswirklichkeit der eigenen Urgroßeltern, fand keinen ungeteilten Beifall. Schüler fragten, ob in der Entwicklung neuer energiesparender Technologien nicht auch Chancen und Auswege lägen. So entstand viel Stoff für weitere Diskussionsrunden – dann wieder in den Klassenzimmern im Rahmen des Unterrichts.

Text: Matthias Sochor (HGWT), erschienen im SÜDKURIER am 12.04.2019

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