„Bühne frei, spiel dich los!“

Die Theater-Arbeit und das Darstellende Spiel sind auch abseits des Deutschunterrichts fester Bestandteil der Lern- und Schulkultur am Hochrhein-Gymnasium. Lernen hört hier nicht mit dem Kopf auf, sondern fordert die Schülerinnen und Schüler in ihrem ganzen Ausdruck und ihrer Persönlichkeit.
Der Ausdruck des Inneren und die gemeinsame, spontane, nie wiederholbare Interaktion zwischen uns Spielern ergeben das, was gespürt werden muss, wenn das Werk gelingen soll. Doch wie geht dies vonstatten? Ein mutiges Werk ist das eigene und das neue. Deswegen verwandeln wir in der Theater-AG am Hochrhein-Gymnasium klassische Stücke zu modernen Inszenierungen. Textlernen wird zur Textinterpretation, Zeilenwiedergabe zum Selbstausdruck. Dabei ist die Arbeit ganz auf die Impulse und eigene Gestaltungsideen der Spielenden ausgelegt. Die am Anfang des Schuljahres in einem Basisworkshop erlernten Arbeitstechniken des Theaters kommen dabei ständig zum Einsatz, sie werden trainiert und immer wieder neu entwickelt. Feedbackverfahren in der Gruppe stärkt die Urteilsfähigkeit und die Fähigkeit zum Umgang mit Kritik, die Kleingruppenarbeit, die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein. Neben diesem schauspielerischen Erproben der eigenen Kreativität führt die Theater-AG auch auf die Einführung in die Theater-Kultur ein. Gemeinsam besuchten wir verschiedene Theaterstücke an örtlichen oder herausragenden Bühnen der Umgebung, wie beispielsweise Zürich. Diese Besuche sollten unser Verständnis von Theater und die professionelle Umsetzung der Theaterkunst intensivieren. Durch Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort hatten wir die Möglichkeit zu einem produktiven Austausch und Kontaktmöglichkeiten zu erfahrenen Schauspielern. 
Die Theaterarbeit am Hochrhein-Gymnasium ist ein Feld des Experimentierens, eben einer Kunst, die in Bewegung ist, bleiben muss und bleiben will. Sie ermöglicht den Schülerinnen und Schülern ans eigene Werk zu gehen – frisch und mutig und eigen. Also ganz nach dem Motto von Franz aus dem Schillerschen Drama „Die Räuber“: „Frisch also! Mutig an’s Werk!“

4./5.7.2013: "Der eingebildete Kranke"

Starkes Spiel bei vollem Haus

„Die Sektion einer Frauenleiche als erstes Date? Das klingt nach ganz viel Spaß, liebe Tochter!“ – Eine schauspielerisch und humoristisch bravouröse Leistung zeigte die Theater-AG des Hochrhein-Gymnasiums in der Waldshuter Stadtscheuer, vom Publikum mit tosendem Beifall bedacht. Die Komödie „Der Eingebildete Kranke“ des französischen Dramatikers und Schauspielers Molière stand auf dem Programm, Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 bis 12 führten das zweistündige Stück in deutscher Sprache auf. Seit Schuljahresbeginn arbeitete das fünfzehnköpfige Ensemble unter der Leitung von Ellen Weiss und Johann Nikolaus Kampermann, beide als Lehrer am Hochrhein-Gymnasium tätig, an einer ganz eigenen Variante des beliebten Dramas. Mit viel Elan setzte die junge Schauspielgruppe die Konflikte der Handlung um und schaffte es, das Stück – immerhin aus dem 17. Jahrhundert – in die heutige Zeit zu transportieren. Der egozentrische Jähzorn des eingebildeten Kranken, der seine Familie so weit tyrannisiert, dass er seine Tochter aus Eigennutz mit einem fremden Arzt verheiraten will, wurde eindrücklich spürbar. Dabei überzeugten nicht nur immer wieder gelungene Schlagabtäusche und erstaunliche Szenen- und Standbilder, sondern auch das Zusammenspiel zwischen Schauspiel, Licht, Musik und Kulisse. Unkonventionelle Ideen, wie z.B. eine ärztliche Untersuchung des Publikums, das die hoffnungslose Diagnose der Ärzte zu spüren bekam, oder das Eintauchen in die Traumwelt Argans, in der die Ärzte sich in der Diagnose neuer Krankheiten überboten, bereicherten die Inszenierung. Besonders war auch die Vorgehensweise in der Probenarbeit, die nicht den Text, sondern die eigenen Interpretationen der Schülerinnen und Schüler in den Vordergrund rücken wollte. moliere3So gab die Theaterleitung Einblicke in die Entstehung des Stückes: Jede Szenenarbeit beginnt nicht mit dem Auswendiglernen des Textes, sondern mit den Fragen „Was ist mir wichtig?“ und  „Was möchte ich in meiner Rolle ausdrücken?“ Originale Schlüsselsätze werden herausgearbeitet, ganze Textpassagen dabei manchmal gestrichen und durch neue Ideen und eigene Schülertexte ersetzt. Im Spielen entsteht dann erst die Szene. Hier haben die Schüler heute wirklich etwas ganz Eigenes und Wunderbares entstehen lassen. Sichtbar wurde dies an dem einzigartigen Spiel, das den jungen Schauspielern Raum für Situationskomik und kreative Momente ließ. Das Publikum spürte diese gedankliche Frische des Ensembles und dankte es mit großer Begeisterung. Für vier Schüler des Ensembles war dieser Auftritt nach dem Abitur der Abschied von der Schulzeit. Die anderen wollen dem darstellenden Spiel auch im nächsten Jahr treu bleiben und sich erneut in das Abenteuer Schauspiel wagen. „Ein ungeheuer bereicherndes Erlebnis vor vollem Haus hier auf der Bühne zu stehen!“, schloss eine Schülerin.

Die Akteure: Mai Blasi (Argan); Tilman Dreystadt (Cléante); Sashana Haber (Toinette); Anke Dickmann (Angélique); Beralde (Sarah Möckel); Johanna Meister (Purgon); Alina Ebner (Fleurant und Pierre); Kai Eisenhardt (Thomas Diafoirus); Rebekka Kredig (Herr Diafoirus); Rebecca Eckert (Madame De Bonnefoy); Jule Klister (Louison), Sarah Kunz (Béline); Kathrin Laeske (Lichttechnik), Franziska Röpke und Katahrina Kübler (Maske und Ton)

18.07.2014: Theater-AG zum Jubiläum
Die Theater-AG des Hochrhein-Gymnasiums brachte „Die Räuber“ von Schiller auf die Bühne.

Schillers Räuber als Mädchengang

Als Auftakt zum Jubiläumsfest 200 Jahre Hochrhein-Gymnasium Waldshut präsentierte jetzt die Theater-AG der Schule in der Stadtscheuer an zwei Abenden Schillers Klassiker „Die Räuber“. Das mehr als 200 Jahre alte Drama um Bruderzwist und Männerintrigen wurde erfrischend aufgepeppt: Es spielte nicht im Wald oder Schloss, sondern in einer kahlen Fabrikhalle, aus dem Freiheitskämpfer Karl Moor wurde das aufsässige Mädchen Charlotte (Anke Dickmann) und aus der Männerbande wurde eine Mädchen-Gang. Dazu wurde das gesamte Geschehen ins 21. Jahrhundert verlegt.

Vorlage für dieses kühne Regietheater war Marlene Skalas Skript „Räuber – Schiller für uns“. Aber – so die beiden Theaterleiter Ellen Weiss und Johann Kampermann – „die Schüler und wir haben den Text nicht nur geprobt, sondern auch umgeschrieben und weiterentwickelt.“ Und so wird das dann plötzlich alles ganz aktuell: Probleme mit Eltern, Eifersucht, Mobbing und Rivalitäten, aber auch viele Ideale und Hoffnungen.

Charlotte, gereizt von ihrer eifersüchtigen Schwester Franziska (sehr glaubwürdig: Julia Vander) und einem Vater, der nie Zeit hat, haut zu Beginn des Stücks einfach ab – zum Studium in die Hauptstadt. Sie findet zu einer Mädchengruppe, wird ihre Anführerin und vernachlässigt ihr Studium. Als sie Heimweh bekommt, intrigiert ihre Schwester und fälscht einen Brief des Vaters. So gerät Charlotte immer mehr in den Sog abwärts. Denn auch die andern Mädchen haben unterschiedlichste Biografien – wunderbar die Szene, in der sie sich einzeln vorstellen – und geraten spätestens nach einem Mord und der Geiselnahme eines Polizisten auf die schiefe Bahn. Die Intrigen untereinander wachsen, das Geschehen läuft aus dem Ruder.

Das alles ist flott und phantasievoll mit einer gehörigen Portion Humor inszeniert, wenn etwa Jule Klister als verkrachte Schauspielerin auf hoher Leiter Schiller zitiert, während Charlotte in ohnmächtiger Wut Kohlköpfe zertrümmert. Oder die Computerspezialistin E. T. (sehr komisch Mai Blasi) gesteht: „Ich habe mich als Räuber eingeloggt.“ Doch es gibt auch viele leise, berührende Momente. Dafür erhielten die elf Akteure (darunter drei Jungen) und ihre Theater-AG-Leiter abschließend stürmischen Beifall.

Text und Foto: Rosemarie Tillessen, SÜDKURIER

 

21.07.2015: Shakespeare-Aufführung
Lucentio (Jonathan Boese) ist Feuer und Flamme für Bianca (Jule Klister), aber auch Hortensio (Anna Koellner) (Hintergrund), der sich als Musiklehrer Licio ausgibt, schwärmt für sie. Bild: Kim Ebner

Klassiker ganz modern

Wild, unfolgsam und widerspenstig: Für ihren Auftritt vor Publikum hatte sich die Theater-AG des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut unter der Leitung von Ellen Weiss Der Widerspenstigen Zähmung, ein Theaterstück von William Shakespeare, ausgesucht. Seit Anfang des Schuljahres haben sich die jungen Schauspieler mit der Thematik von Shakespeares Lustspiel auseinandergesetzt und eine eigene Interpretation auf die Beine gestellt. So ist beispielsweise in der Version der Theater-AG Baptista nicht der Vater, sondern die Mutter der Schwestern Bianca und Katharina. Shakespeares Stück mit seinen frauenfeindlichen Äußerungen sorgten dabei im Voraus auch für reichlich Diskussionsstoff zwischen den Schauspielern der Theater-AG.
Fast jeder Stuhl in der Stadtscheuer Waldshut war besetzt, durch die urigen Räumlichkeiten fühlte man sich regelrecht in Shakespeares Zeit zurückversetzt. Das Publikum war gespannt darauf, wie die jungen Darsteller die komödiantische, aber nicht ganz einfache Thematik umsetzen würden – hat ein Mann wirklich das Recht dazu, seine Frau zähmen zu wollen? Die Bühne war minimalistisch gehalten, mehr als einen Stuhl oder einen Tisch benötigten die Schauspielenden nicht, um die Zuschauer zu unterhalten. Namensschilder mit den Anfangsbuchstaben des Namens des jeweiligen Charakters machten es dem Publikum dabei leichter, die 15 verschiedenen Protagonisten ausein anderzuhalten. Besonders Lotta Klisters Darstellung des schlagfertigen Grumios und Sashana Habers Curtis sorgten für einige Lacher im Publikum, das auch mit dem Beifall nicht sparte. Der größte Unterschied zwischen Shakespeares Stück und der Interpretation der Theater-AG zeigte sich am Ende der Aufführung. Während Shakespeares Katharina, die Widerspenstige, am Ende des Stücks von ihrem Ehemann Petruchio gezähmt wird und ihm gehorsam ist, entschieden sich die Schauspieler der Theater-AG für einen der modernen Zeit angepassten Schluss: Katharina (Julia Vander) ließ sich von ihrem Mann, Petruchio (Nicole Schäuble), nicht zähmen und stand für die Rechte der Frau ein. „Kein Mann hat das Recht, seine Frau zähmen zu wollen“, verkündete Katharina dem Publikum in der Schlussszene.
Text: Kim Ebner, SÜDKURIER

 

24.06.2017: Schüler brillieren mit ANTIGONE
Antigone (Anna Köllner) sucht Rat bei der Seherin, die von Nathalie Kerlen verkörpert wird. Bild: Claus Bingold

Beeindruckende Schauspiel-Leistung

„Vor den Lohn haben die Götter den Schweiß gesetzt.“ Dieser Satz, des griechischen Dichters Hesiod hätte durchaus auf die Aufführung von Sophokles Tragödie „Antigone“ durch die Theater-AG des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut zutreffen können. Die zehn Protagonisten der Theater-AG boten ihrem Publikum eine Vorstellung, die es tief in die Welt der antiken Tragödie eintauchen ließ, wobei Parallelen zur Gegenwart durchaus erkennbar sind. Am Ende der Aufführung spendeten die rund 120 Zuschauer mit lang anhaltendem Beifall den verdienten Lohn für eine perfekte Theateraufführung.
Sichtlich gerührt bedankte sich Regisseur Johann Nikolaus Kampermann bei seinen Darstellern: „Ihr habt viel Zeit und Leidenschaft in die Vorbereitung des Stückes investiert und uns heute einen bemerkenswerten Abend geschenkt.“ Mit Gestik, Mimik, Körpereinsatz und Sprache überzeugten die jungen Schauspieler auf der spartanisch anmutenden Bühne. Ohne die Leistung der übrigen Darsteller schmälern zu wollen, boten Hauptdarstellerin Anna Köllner (Antigone), Benjamin Gerhards (Kreon), Catherina Röpke (Scherge) und nicht zuletzt Nathalie Kerlen (Seher), die auf Grund einer Verletzung mit Krücken auftreten musste, herausragende Leistungen.
Eindrucksvoll gelingt es Anna Köllner, in die Rolle der Antigone zu schlüpfen, die sich gegen Ihren Onkel, den Tyrannen Kreon, auflehnt. Benjamin Gerhards spielt den Kreon souverän und arrogant. Catherina Röpke, als Scherge treuer Vasall ihres Herren, überzeugt durch ihr unerbittliches Auftreten Antigone gegenüber. Schließlich ist da noch Nathalie Kerlen, gehandicapt durch Krücken, die als Seherin ihre Stellung über normal Sterbliche durch Haltung und Sprache imponierend in Szene setzen kann.
Das Stück hatten die zehn Schüler unter der Leitung von Johann Nikolaus Kampermann, Lehrer für Deutsch und evangelische Religion am Hochrheingymnasium, ein Jahr lang einstudiert.

Die Darsteller: Vincent Ehlers (Haimon),Nathalie Kerlen (Seher), Lotta Klister (Ismene), Anna Köllner (Antigone), Luka Neumann (Chorführerin), Marie Ecker (Wachhund), Benjamin Gerhards (Kreon), Catherina Röpke (Scherge), Katharina Schäuble (Wachhund) und Laureen Zimmermann (Scherge). Regisseur: Johann Nikolaus Kampermann.

Text: Claus Bingold, SÜDKURIER