22.06.2018

"Der Besuch der alten Dame" - eine Einladung

Immer mehr Menschen verschulden sich, ohne genau zu überlegen, wie sie die Schulden zurückzahlen wollen. Neue Kleidung, neue Schuhe, gar ein neues Auto auf Pump sind gefühlt manchmal eher die Regel als die Ausnahme. Geld regiert eben die Welt. Noch mehr trifft dies für den oberen Bereich des Einkommensspektrums zu: Korruption allenthalben. Und alles ist käuflich. Außer vielleicht zutiefst menschliche Werte wie Liebe, Treue, Gerechtigkeit. Oder? Zugegeben, die vorangegangenen Sätze klingen nach Gemeinplätzen, dennoch treiben diese Themen die Menschen um. Das kann man täglich anhand von Zeitungen, Talkshows oder Tweets nachvollziehen. In der Theater-AG des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut setzen sich aktuell auch Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 9 bis 11 intensiv mit diesen Themen auseinander. Sie schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen. Es gibt Figuren, die ein unmoralisches Angebot unterbreiten, und solche, die ein solches Angebot erhalten, und auch solche, die nur ein Spielball anderer sind. Die Schüler erspüren Macht und menschliche Abgründe und wollen dies auf der Bühne auch für das Publikum erfahrbar machen. Die Grundlage dafür bietet Friedrich Dürrenmatts Drama „Der Besuch der alten Dame“. Alfred Ill hat als junger Mann Fehler gemacht. Manche davon waren bloße Dummheiten. Andere waren sehr viel ernster. Und einer dieser Fehler holt ihn, den alten heruntergekommenen Krämer eines heruntergekommenen kleinen Städtchens, eines Tages wieder ein: Eine alte Dame steigt aus dem Zug und macht den Bürgern von Güllen ein wahrhaft unmoralisches Angebote eine Milliarde, wenn jemand Alfred Ill tötet. Es steht zunächst außer Frage, dass sich die Güllener vorbehaltlos zu Ill bekennen. Unter tosendem Applaus schmettert der Bürgermeister der alten Dame entgegen: „Noch sind wir in Europa, noch sind wir keine Heiden.“ Doch von nun an müssen sich die häufiger zitierten Werte des Abendlandes bewähren. Eine Zerreißprobe. Der Autor selbst hat das Stück als „tragische Komödie“ gekennzeichnet. Für ihn war das Groteske eines der letzten Mittel, um die widersprüchliche Welt überhaupt noch darstellen zu können. Die Schüler machen den Zwiespalt auf der Bühne greifbar. Manches ist zum Lachen, anderes stimmt nachdenklich. Und dann sind da noch die Momente, in denen einem in einem Strudel von Emotionen das Lachen im Halse stecken bleibt. Es kann durchaus das Gefühl aufkommen, dass die absurde Welt auf der Bühne vielleicht gar nicht so anders ist, als die eigene.

Was aus Alfred Ill und der alten Dame wird, ist am Freitag,  22.06.2018 ab 19.00 Uhr und am Samstag, 23.06.2018 ab 17.00 Uhr zu erfahren. Beide Aufführungen finden im Musiksaal der Schule statt. Der Eintritt ist frei.

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