27.10.2017

Südkurier: Szenen aus Goethes „Faust I“

Lesung mit Frank Arnold

Waldshut-Tiengen: Der bekannte Sprecher Frank Arnold liest Szenen aus Goethes Faust im Musiksaal des Hochrhein Gymnasiums. Rund eineinhalb Stunden lässt er Goethes Wortkunst zur lebendigen Sprach- und Klangkunst werden.
Lesung
Gruppenbild mit Faust-Figuren: Frank Arnold (v.l.) nach seiner Lesung im HGWT mit Schulleiterin Mechthild Rövekamp-Zurhove, Jürgen Glocker von der Dr.-Inge-Freytag-Stiftung, Lehrer Matthias Sochor und dem stellv. SL Markus T. Funck. Bild: U. Freudig

Waldshut-Tiengen – Ein Sprecher, Faust und Hörgenuss pur – dies die Kurzformel für eine außergewöhnliche Lesung, die sicher auch Goethe gefallen hätte: Frank Arnold las am Dienstagabend im Musiksaal des Hochrhein Gymnasiums (HGWT) aus dem Faust I. Schüler machten den größten Teil des Publikums aus. Für die Jahrgangsstufe 11 ist Goethes Faust ab 2019 Abiturthema, im Unterricht behandelt wird er schon jetzt. Nach einführenden Worten in den Fauststoff durch Matthias Sochor, Lehrer am HGWT, zelebrierte Frank Arnold das Lesen.
Rund eineinhalb Stunden ließ er Goethes Wortkunst zur lebendigen Sprach- und Klangkunst werden. Man wurde mitgenommen und getragen von einem Sprachfluss, bei dem sich eines ins andere fügte: Die Stimme Frank Arnolds, ihre vielschichtigen Modulationen, seine Mimik und Gestik und Goethes Worte waren eine Einheit. Arnold las nicht einfach „nur“ Wörter, er erfühlte sie aus der Sicht der Figuren, die sie sprachen und blieb dennoch ein souveräner Erzähler.
Auch das Bühnenbild hätte passender nicht sein können. Faustfiguren aus Pappmaché, das Gretchen und natürlich auch Mephistopheles standen links und rechts von Frank Arnold. Schüler der 6. Klassen haben sie unter Regie von Matthias Sochor im Kunstunterricht gefertigt. Frank Arnold ist gebürtiger Berliner, er ist Dramatiker, Regisseur, Schauspieler und Sprecher. Die Kulturmagazine Aspekte, Artour und ttt spricht er, in vielen Dokumentarfilmen ist er zu hören und auf vielen Hörbüchern – etwa von Anthony Powell, Tom Clancy, Noah Gordon, Ilija Trojanow – steht sein Name. 2014 erhielt Frank Arnold den Hörspielpreis als bester Interpret.
Dass dieser hochkarätige und vielbeschäftigte Künstler im Hochrhein Gymnasium zu Gast war, ist Hauptverdienst der Dr.-Inge-Freytag-Stiftung. Sie hat zum zweiten Mal in Zusammenhang mit der Vergabe des Scheffel-Preises für die besten Abiturleistungen im Fach Deutsch, dem HGW eine kulturelle Veranstaltung geschenkt. Die Lesung hat vielleicht sogar dem sicher nicht ungetrübten Umgang der Schüler mit Goethes Faust neue Impulse gegeben. „Lest den Faust zusammen zu viert oder fünft laut, das ist ein guter und toller Weg, um sich dem Text zu nähern“, ermunterte Frank Arnold die Schüler.
Text: U. Freudig, erschienen im SÜDKURIER am 27.10.2017

Zurück