21.02.2018

Südkurier: Eine Schule zeigt Farbe

15. Kunstfest am HGWT

Waldshut-Tiengen: Beim Kunstfest des Hochrhein-Gymnasiums blicken die künftigen Abiturienten auf vielfältige Art hinter die Hülle eines Menschen.

Die drei Schülerinnen Anne Stoll, Lena Schlachter und Tanja Schuchter (von links) nennen ihre Fahrrad-Installation „(Un-)Begrenztes“. Bild: Rosemarie Tillessen

Waldshut-Tiengen – Zum 15.Mal feierte das Hochrhein-Gymnasium in Waldshut sein alljährliches Kunstfest. Gezeigt werden auf drei Stockwerken die bildnerischen Arbeiten der zwei Kurse Bildende Kunst des diesjährigen Abiturjahrgangs. Über 200 Gäste waren zur Eröffnung in den Musikraum gekommen. Susann und Matthias Sochor als Lehrkräfte der Kunstkurse führten in die Schau ein. Musikalisch begleitet wurden sie dabei vom Musikkurs der Klasse 12 unter der Leitung von Mathias Lauer. Sein Kurs hatte bekannte Musikstücke von Monteverdi, Johannes Brahms und Wolfgang Amadeus Mozart stark bearbeitet und instrumental spannend umbesetzt. Im Brennpunkt dann aber eine Performance von einigen Schülern in weißen Schutzanzügen: Sie zeigten als Welturaufführung in einer Choreografie von Alexander März Gefühle wie Liebe, Freude und Aggressionen.
Damit leiteten sie zum Thema des Festes über: Was steckt hinter der Hülle eines Menschen? Was ist Selbstdarstellung, was ist Verwandlung? Dafür hatten die 27 Schüler der Kurse vielfältigste Antworten gesucht. So wurde der anschließende Bummel durch das Schulgebäude zum spannenden Abenteuer, das in diesem Jahr unter dem Motto „Figurativ“ stand. Die Bald-Abiturienten hatten sich intensiv mit Künstlern wie Rembrandt, Michelangelo oder der Fotografin Cindy Sherman befasst und waren dem Architekten Peter Zumthor in Bregenz begegnet. Sie hatten altmeisterliche Techniken und das Skizzieren kennengelernt und standen sich gegenseitig Modell. Sie verhüllten, verkleideten oder verwandelten sich, wie man in einer eindrucksvollen Fotoserie mit Selbstinszenierungen im Musikraum erleben konnte: Da fand der berühmte „Schrei“ von Edvard Munch eben einfach mal am Rheinweg statt.
Doch man sah noch viel, viel mehr: Skulpturen aus Schaumbetonstein, plastische Skizzen mit Graphitstift, befremdliche Installationen, bei denen etwa eine lebensgroße Person die Leinwand sprengt (Marie Bahr), eine gestaltete Schaufensterpuppe und ihr Bezug zur aktuellen Me-Too-Debatte (Lisa Moreau) oder kleine verfremdete Fotoreihen zu bekannten Kunstwerken (Nico Müller). Ein Besuchermagnet war schließlich das Video eines „getanzten Bildes“ von Clara Wolf, in dem sie dramatisch Gefühle und Körpererfahrungen darstellt. Oder die weiträumige Installation „(Un-)-Begrenztes“ mit einem blauen Fahrrad von Anna Stoll, Lena Schlachter und Tanja Schuchter. Und, und, und... Bereitwillig diskutierten an diesem Abend die jungen Künstler mit ihren neugierigen Gästen. Und diese waren beeindruckt von so viel Kreativität, Fantasie und Können. Wer an diesem Abend nicht dabei war, kann die ausgestellten Arbeiten im Gymnasium bis Anfang Juni werktags besichtigen.
Text: Rosemarie Tillessen, erschienen im SÜDKURIER am 21.02.2018

Marie Bahr überschreitet in ihrer Arbeit "Nahtod" Grenzen zwischen Malerei und Plastik. Bild: Rosemarie Tillessen

Zurück